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Wetter und Epilepsie

Gewitterstimmung - (c) Josef Spatt

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem Auftreten von epileptischen Anfällen?

Epilepsiepatienten beobachten ihr Anfallsauftreten und versuchen Zusammenhänge mit Auslösefaktoren festzustellen. In einer Fragebogenuntersuchung, die ich vor vielen Jahren durchgeführt habe (Spatt et al. 1997: Anfallsauslöser), wurde neben Stress am häufigsten das Wetter als Auslösefaktor genannt, also bestimmte Wettersituationen oder Änderungen der Wetterlage.

Läßt sich diese Beobachtung auch objektivieren?

Menschen neigen allgemein dazu, Befindlichkeiten oder sonstige Umstände dem Wetter zuzuschreiben. Daher war ich immer sehr skeptisch, ob diese Beobachtungen auch einer überprüfbaren Tatsache entsprechen. So wissen wir doch, dass wir Menschen nicht gut im Einschätzen von Wahrscheinlichkeiten sind und dazu neigen, zufällige zeitliche Übereinstimmungen als ursächliche Zusammenhänge zu interpretieren.

Wetter und Epilepsie: Siehe da, der Zusammenhang ist echt!

Eine deutsche Forschergruppe hat jetzt an Hand der Daten von über 600 Spitalseinweisungen – also unabhängig von den persönlichen Beobachtungen der Patienten – nachgewiesen, dass Anfälle häufiger bei niederem Luftdruck und bei hoher Luftfeuchtigkeit auftreten als sonst. Der Unterschied war nicht sehr groß, aber doch statistisch bedeutsam.(Rakers et al. 2017 Epilepsia,58(7):1287-1295)

Konsequenz?

Wir können das Wetter ja nicht beeinflussen, daher kann man aus den Ergebnissen auch keine direkten Konsequenzen für die Therapie bzw. bezüglich von Verhaltensweisen ableiten.

… oder vielleicht doch: Ein weiterer Grund, sich über schönes trockenes Wetter mit hohen Luftdruck zu freuen!